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Fragebogen Kaufkraftströme



Wer kauft was wo ein?

Treuchtlingen analysiert das Zukunftspanorama mit dem Fragebogen „Kaufkraftströme“

Lebensqualität durch Nähe ist das Motto, mit dem bereits viele Kommunen in Bayern ihre Zukunftsperspektiven haben untersuchen lassen. Denn nur diejenigen, die ihre Vergangenheit kennen und die aktuelle Gegenwart kritisch hinterfragen, werden eine Perspektive in der Zukunft haben. Diese Erkenntnis hat die Stadt Treuchtlingen bewogen, gemeinsam mit dem Gewerbeverein eine Untersuchung zu den Kaufkraftströmen zu veranlassen.

HIER finden Sie die ausführliche Auswertung.

 

Herausforderungen für Einzelhandel in Treuchtlingen

Kaufkraftuntersuchung macht Handlungsbedarf deutlich

Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen im Einzelhandel verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich. Weltweit offenbaren Verbraucher neue Verhaltens-muster und Kaufentscheidungsprozesse verändern sich. Die Kunden vertrauen in einem immer stärkeren Maße den Empfehlungen im Internet, den Bewertungsportalen oder Produktvorschlägen diverser Websites. Der demografische Wandel und die Schwierigkeiten vieler Betriebe bei der Nachfolgeregelung ergänzen dieses Szenarium um weitere Unsicherheitsfaktoren. Vor diesem Hintergrund ist es von großer Bedeutung, dass an einem Einkaufsstandort wie Treuchtlingen die eingetretenen und die noch zu erwartenden Veränderungen im Kaufverhalten und die mit ihnen einhergehenden Kaufkraftflüsse transparent werden. Nur in Kenntnis solcher Veränderungsprozesse wird der Einzelhandel in der Lage sein, darauf zu reagieren und neue Marketing- und Vertriebsstrategien zu entwickeln. Mit einer
Kaufkraftuntersuchung in Treuchtlingen wurden dazu notwendige Daten erhoben.

Nur eine Minderheit der Befragten – aber alles Kunden in Treuchtlingen - finden das Ambiente der Stadt mit 24 % gut. Eine bessere Bewertung erhalten „Wohlfühlparameter“ wie Sicherheit 71 % oder die Sauberkeit der Stadt mit 65 %. Zusammen mit der ebenfalls guten Bewertung öffentlicher Dienstleistungen mit 64 % rundet sich damit trotz des negativ empfundenen Ambientes der Eindruck einer hohen Lebensqualität ab. Die in der Stadt gebotenen Einkaufsmöglichkeiten werden mit 77 % als herausragend eingeschätzt. Und für die Zukunft werden hier auch Verbesserungen erwartet. Mit diesen Zukunftsperspektiven steht Treuchtlingen deutlich über dem Durchschnitt
anderer vergleichbarer Städte. Allerdings macht das Ambiente der Stadt einen akuten Handlungsbedarf erforderlich.

Und auch bei der Frage der Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in das Ortsgeschehen werden Defizite erkennbar. Nur 28 % verspüren ein „Wir-Gefühl“ zu Treuchtlingen, während immerhin 61 % Schwierigkeiten mit einem gewissen Stolz auf ihre Stadt haben. Hier unterscheiden sich auch die Altersgruppen kaum in ihrer Einschätzung. Diese Bewertung steht etwas im Widerspruch zu den positiven Aussagen der in Treuchtlingen gebotenen Lebensqualität. Aber sie wird auch durch die Aussagen zum Ambiente gestützt.

Eine dringend anstehende Lösung wird von den Konsumenten auch für die nach wie vor unbefriedigende Situation der Laden-Öffnungszeiten erwartet. Dies betrifft sowohl eine mehr einheitliche Regelung wie auch mehr Transparenz der jeweiligen Öffnungssituationen. Dies steht an der Spitze der Wünsche der befragten Bürger hinsichtlich der Einkaufssituation.

Die weiteren Ergebnisse zeigen die unterschiedliche Bedeutung des Zentrums einerseits und der in den dezentral gelegenen Gewerbegebieten liegenden Einkaufszentren andererseits vorgehaltenen Warenangebote. Die dezentralen Einkaufszentren schöpfen etwa 12 % der Kaufkraft ab, in den Ortsteilen verbleiben 2 % und im Zentrum kann immerhin noch rund ein Viertel der Kaufkraft generieret werden. Für eine lebendige Einkaufsstadt wird es nunmehr darauf ankommen, dass vor allem das Zentrum gestärkt wird, um seine Kaufkraft zu stabilisieren. Viel wird da auch von der Entwicklung des Ambientes abhängen.

Es sollte aber auch als Herausforderung angesehen werden, die Innenstadt um die Bahnhofstraße mit den beiden dezentral gelegenen Einkaufszentren über attraktive Übergänge erlebnisorientiert zu verbinden. Auf diese Weise könnte langfristig ein neues Einkaufserlebnis Treuchtlingen entstehen. Dies stellt sowohl eine Aufgabe für den öffentlichen Raum, aber auch für Grundeigentümer und Unternehmer entlang dieser Achsen dar.

Der Kaufkraftabfluss nach Weißenburg nimmt mit 12 % schon einen beachtlichen Umfang ein, man darf dabei aber auch die räumliche Nähe zu Weißenburg nicht unterschätzen. Die Entfernung zwischen beiden Städten stellt zumindest kein
unüberwindbares Kaufhindernis dar. Ein beachtlicher Teil des Kaufkraftabflusses in die Kreisstadt geht aber zu Lasten von Baumarktartikeln.

Die Bedeutung der Kulturangebote wird in Treuchtlingen mit 40 % als gut zwar honoriert, aber 49 % unzufriedene  Befragte signalisieren auch wahrgenommene Defizite. Auch der an der Spitze der hierfür gewünschten breiteren Kulturangebote, aber Wünsche nach mehr Open-Air, Kabarett und anspruchsvollere Kinoprogramme zeigen ein Defizit auf, das in einemanzustrebenden Kulturdialog hinterfragt werden sollte. Denn diese Einschätzung spiegelt eigentlich nicht das aktuell unterbreitete Kulturangebot Treuchtlingens wieder.

Ähnliches gilt für die Freizeitangebote, die nur von 38 % der Befragten als zufriedenstellend eingeschätzt werden. Auch hier besteht ein Widerspruch zu tatsächlich gerade in Treuchtlingen angebotenen und vorgehaltenen Freizeit- und
Sportmöglichkeiten. Auch dies sollte intensiver hinterfragt werden. Gute Werte hat dagegen der Treuchtlinger Wochenmarkt erhalten, den 43 % regelmäßig aufsuchen, aber immerhin ziehen die Wochenmärkte in Gunzenhausen und Weißenburg auch nahezu 40 % der Befragten regelmäßig an. Dagegen genießen die Kerwa in Treuchtlingen und die Kirchweihen in den Ortsteilen eine hohe Zustimmung bei der Bevölkerung.

Der Einkauf des täglichen Bedarfs mit 58 % in Treuchtlingen erreicht immerhin ein Wert noch über dem Mittel vergleichbarer Kommunen. Allerdings verliert der Einkaufsstandort Treuchtlingen gegenüber dem Großraum Nürnberg
zunehmend beim jüngeren Publikum – branchenspezifisch sehr differenziert – an Kaufkraft. Bis jetzt summiert sich dies nur auf 2 %, dies dürfte aber zunehmen. Andere Einkaufsstandorte spielen nur eine untergeordnete Bedeutung.

Der Online-Handel zieht 19 % Kaufkraft ab, ein noch nicht dramatischer Anteil, wenn man den Online-Handelsanteil vergleichbarer Städte sieht. Aber dies wird – über alle Generationen – deutlich zunehmen. Hier müssen vom Handel neue Wege auch abseits gewohnter Traditionen gesucht werden, um eigene attraktive Online-Angebote ggf. als  Gemeinschaftsaktion des stationären Handels in Treuchtlingen aufzulegen.Der Weg zu einem Einkaufserlebnis Treuchtlingen führt nur über mehr Präsenz auf modernen Handelsplattformen und über eine deutliche höhere Erlebnisausrichtung im öffentlichen Raum, wie auch in den Geschäften selbst. Dabei müssen die Aktivitäten aber Hand in Hand gehen. Das Ziel sollte mittelfristig eine Onlinecity Treuchtlingen sein, die aber mit einem hohen emotionalen Kauf-Erlebnis verbunden wird. Das bedeutet u.a., dass die schon sichtbaren Ansätze wie die Erlebnistage in der Bahnhofsstraße qualitativ ausgebaut und inhaltlich ergänzt werden sollten. „Leben findet innen statt“, dies muss spürbar werden. Vor allem müssen mehr Auswärtige zum Einkaufen und Erleben nach Treuchtlingen motiviert werden. Dies gelingt nur über ein tatsächlich erlebbares Motto des Gewerbevereins „Hier macht Einkaufen Spaß!“.

FUTOUR Regionalberatung, Haundorf im Mai 2017

HIER finden Sie die Schlussfolgerungen von FUTOUR Regionalberatung als pdf.